Donnerstag, 2. September 2010

Angekommen

So, jetzt sind wir alle da und ich habe endlich mal etwas Zeit mich hinzusetzen und drauf los zu schreiben:

Ich bin da:-)
Neve Hanna ist wundervoll, total beeindruckend und ich bin mittendrin!

Erstmal ganz vorne anfangen:
Der Abschied viel schwer, ich hab mich aber gefreut, dass mich so viele verabschiedet haben, aber die Stimmung am Flughafen war trotzdem total komisch...ich meine, wie verabschiedet man sich für ein Jahr?
Und dadurch, dass ich sowas noch nie gemacht habe, hatte ich auch wenig Erwartungen und das machte die Situation irgendwie noch blöder...aber im Flugzeug ging es wieder, denn mir wurde so langsam bewusst, dass etwas ganz Großes auf mich zukommt! YEAH!
Wir sind dann um halb 5 Uhr morgens angekommen und wurden von Caro, einer MIitvolontärin, die schon ein paar Tage vorher in Israel war, und Ischai, der hier im Hauseigenen Zoo arbeitet, abgeholt!

Danach hieß es erstmal schlafen;-) und um 12 Uhr kam Antje, die hier so ein bisschen für die Außenpolitik in Neve Hanna zuständig ist...sich also u.a. um die Volos vor Ort kümmert, insbesondere wenn sie angekommen sind und auch so ab und zu Gäste durchs Heim führt...
Antje hat uns erstmal ein paar generelle Infos gegeben und uns dann einmal durch ganz Neve Hanna geführt...

Kleine Führung durch das Gelände:
Man kommt rein, rechts die "Rezeption", in der eigentlich immer jemand vorzufinden ist, auf der linken Seite der Zoo, "Pinat Chai", der vel größer ist, als ich es mir vorgestellt habe...Es gibt erstmal unzählige Tiere, die meisten wurden alle von den Bewohnern um und in Kiryat Gat (der Ort, in dem ich lebe) abgegeben und leben nun in der Pinat Chai. Von Hasen und Ziegen über Vögel und Schlangen bis hin zu einem hässligen Emu namens Fritz, der frei im Zoo rumläuft und dessen Gefieder sich wie eine tote Tanne anfühlt...lange kein so hässliges Tier mehr gesehen:-P Aber Fritz wird trotz allem akzeptiert;-)
Im Vorhof parken die Autos, die hauptsächlich zum Abholen der Kinder von der Schule oder irgendwelche anderen Besorgungen gebraucht werden. Geradeaus durch steht das Haupthaus, in dem Dudu, der Heimleiter, sein Büro hat.
Dudu ist dauerbeschäftigt, macht mindestens immer drei Dinge gleichzeitig, hat dazu eine offene Bürotür und ein offenes Ohr für jeden und schmeißt den Laden ziemlich gut, muss ich sagen:-)
Dudu spricht deutsch, englisch und hibräisch (wer weiß, vllt auch noch mehr), das heißt, die Verständigungsmöglichkeit ist auf jeden Fall schonmal perfekt gegeben. Nicht alle, die hier arbeiten,können englisch...die meisten nur hibräisch...also wird sich erstmal mit Händen und Füßen verständigt...
Links neben dem Haupthaus ist ein Sportplatz (Fußi und Basketball und was einem sonst noch so einfällt), dahinter ein Spielplatz und davor steht unser Volontärshaus.
Wir sind 6 Volos aus Deutschland: Caro aus der Nähe von Köln, Rike und Martin aus Flensburg, Tom, Genci und ich aus Hamburg!
Bis jetzt kommen wir super miteinander klar, bei der Arbeit und auch so:-)
Unser Volohaus ist nahe zu perfekt:-) Es gibt 4 Schlafzimmer für uns 6 Volos, also 2 Einzel- und 2 Doppelzimmer. Ich habe ein Einzelzimmer erwischt!!! Die Zimmer sind alle für ein Doppelzimmer ausgerichtet: 2 Betten, ein Schreibtisch, ein großer Schrank, eine Klimaanlage und vor allem: ein eigenes Bad inklusive Dusche!!!
Zudem haben wir eine eigene Küche, eine Art Wohnzimmer und eine Waschmaschine...Was will man mehr?:-)
Okay, weiter...rechts neben unserem Volohaus steht eine Bäckerei...JA, Neve Hanna backt das Brot selbst und noch dazu himmlich leckere Kekse, in die ich mich hineinsetzen könnte, verkauft die auch nach außerhalb, ist als die drittbeste Bäckerei in ganz israel bekannt und beliefert sogar El Al, die Fluggesellschaft hier, mit Brötchen:-)
wir befinden uns wieder auf dem Hof vorne...;-) Dort in der Nähe ist auch die Küche. Wenn wir morgens einen Zettel abgeben mit dem, was wir haben wollen und was auch in der Küche zur Verfügung steht, dann kriegen wir das auch sofort, es wird also gut für uns gesorgt:-)
Zudem wird dort das Mittagessen gekocht, ebenso kommen dort die Dinge fürs Abendbrot her! (Klar!)

Das war Neve Hanna im vorderen Bereich...weiter hinten stehen mehrere Häuser, in denen die Kinder wohnen, und zwar in ihren eigenen Gruppen (Gruppe = kvuzat)! Jede Gruppe ist wie eine große Familie; sie besteht aus einer Hausmutter, einem Hausvater und einem Sozialarbeiter und zudem gehören immer ein deutscher und ein bis zwei israelische Volos (da gibt es gleich 9 von, die wohnen aber außerhalb im Ort)in die Gruppe und unterstützt die "Familie".
Meine Gruppe heißt "Re'im" (=Freunde).
Die Kinder, ungefähr 14 oder 16 (stellt euch mal ne Familie mit 16 Kindern vor:-O), sind alle total lieb, aber auch sehr laut und frech und hyperaktiv;-)
Sie sind alle in Neve Hanna, weil sie eine harte Vergangenheit haben, zu Haus standen Drogen, Alkohol, Missbrauch, etc. auf dem Programm; das bedeutet natürlich, dass die Kinder nicht unbedingt pflegeleicht sind...bzw. man das einfach nicht voraussetzen darf.
Mein Job als Volontärin ist es ohnehin nicht die Erzieherin zu sein, sondern viel mehr eine große Schwester oder ein Freund. Die Rolle der Erzieher haben Hausmutter und Hausvater.
Und ich denke, es ist auch ganz gut, dass es jemanden gibt, der erstmal nichts über die Vergangenheit weiß, sondern die Kinder als Kinder ansieht, ohne das, was dahinter steht.
Für die psychischen Probleme sind erstmal Psychologen zuständig, wenn die Kinder mir irgendwann selbst Dinge erzählen, dann ist es was anderes.

Zu unserer Arbeit hier:
Wir arbeiten vormittags erstmal für die nächsten Monate jetzt in einem von drei Bereichen!
1. Arbeit im Hof und Garten und handwerkliche Dinge bei Motti (der ist für all das zuständig)- Rike, Genci, Martin und ich
2. Arbeit in der Pinat Chai bei Ischai, also Tiere füttern und pflegen- Caro
3. Arbeit in der Bäckerei bei ...(Namen vergessen^^), was eigentlich bedeutet: Brötchen ausfahren und verteilen- Tom

So, ich arbeite also im Moment immer im Hof.
Ich muss um halb 7 aufstehen, um 7 beginnt die Arbeit!
Motti weist uns dann immer Aufgaben zu, die wir dann versuchen zu verstehen (da er nur hibräisch spricht) und umzusetzen. Im mom muss er denken, dass wir völlig bescheuert sind und nichts drauf haben, weil wir nur Bruchteile von dem verstehen, was er sagt und dann halt durch Zeigen versuchen unsere Aufgabe zu ERRATEN !!!
Aber es wird...
Am ersten Arbeitstag, also gestern, hab ich von ihm ein Pustegerät (so ein Ding mit Motor) in die hand gedrückt gekriegt und sollte die ganzen Blätter und den Dreck, der sich ÜBERALL seit dem Sommer angesammelt hat zusammenpusten. Das ist ohne scheiß überhaupt nicht einfach, obwohl es wohl zuerst so klingen mag...hält man das Ding einmal falsch, dann pustet man den ganzen schön zusammengepusteten Haufen mal eben so wieder in all seine Einzelteile...Rike hat dann versucht meine Haufen zu identifizieren und alles aufzufegen und dann mit der Schubkarre wegzubringen.
Um 9 Uhr (!!!) hat die Sonne geknallt wie nichts, aber wir sind ja zäh:-)
Um 10 Uhr ist unsere Frühstückspause (für eine halbe Stunde), die wir dann meistens alle zusammen im Volohaus mit Brot, Humus (Spezialität-falls ihr es nicht kennt, einfach googeln^^), Frischkäse und anderem Zeugs verbringen.
Wasser ist ganz wichtig. Das fällt das Chlor in der Leitung nicht mehr auf, wenn man Durst hat:-)
Um halb 11 gehts dann weiter... Die Arbeit mit Motti ist unausschöpflich...(oder wie man das sagt)...er würde noch in den nächsten 10 Jahren was für uns zu tun finden:-) Genci ist nun der Meister der Kettensäge, ich bin die Meisterin des Pustegeräts und hab langsam (le'at) meine eigene Technik entwickelt, das Ding zu bändigen.
Um 1 ist meistens erstmal Schluss mit DIESER Arbeit, dann haben wir eine Stunde Zeit uns zu duschen und zu regenerieren und gehen danach in unsere Gruppen.
Um 2 gibt es Mittagessen, das ist eigentlich ganz gut:-)
(ha'ochel ta'im = das Essen schmeckt gut)
Von 3 bis 4 werden Hausaufgaben gemacht, heute habe ich sogar dabei geholfen...ich habe mit Yulia aus meiner Gruppe englisch gemacht, es war etwas schwer, ihr einige Dinge dann zu erklären, aber es hat am Ende dann doch gut geklappt!
gestern habe ich mich noch mit Chaim und Lian (Hauseltern = madrichim- ihr seht, ich gebe ein bisschen mit meinem geringen hibräisch-Wissen an;-)) und Omri (dem iraelischen Freiwilligen) zusammengesetzt und durch Omris Übersetzerfähigkeiten ein nettes Gespräch geführt und auch über meine Rolle aus Volontärin und die Gruppe an sich! Dazu gabs Kaffee (ein kleiner Löffel Instant Coffe und zwei fettgehäufte Löffel Zucker und dann bis zur Hälfte mit heißem Wasser, der Rest Milch-eigentlich völlig abartig^^...)!
Dann bin ich meistens bis 6 in der Gruppe, manchmal auch eine Stunde woanders unterwegs. Das variiert halt total, je nachdem was so ansteht- heute war ich z.b. mit einer beim Arzt, gestern hab ich Salat geschnippelt und bei der Wäsche geholfen, dann mit den Kindern verstecken gespielt, und und und...um 6 gibts dann nämlich wieder Abendbrot...Und dann bleib ich meistens (ohje...ich bin zwei tage hier und sagen schon meistens...)so bis 8 oder 9 in der Gruppe, wenn nichts dazwischen kommt.
Im Grunde genommen sind wir den ganzen Tag unterwegs...abends sitzen wir Volos dann immer noch zusammen, aber meistens löst sich das schnell wieder auf, da wir alle immer sehr müde sind...!

Heute haben wir das erste Mal unsere hibräisch Lehrerin (mora le hivrith) kennengelernt, sie ist ganz nett und sehr streng, aber das werden wir brauchen, um schnell die Sprache lernen zu können. Sprache ist dann doch irgendwie wichtig...Tom kann ja schon ziemlich gut sprechen und man merkt schon, dass der es halt leichter hat an die Kinder ranzukommen, aber irgendwie gehts immer:-) auch jetzt noch ohne hibräisch...! in 3 Monaten werden wir wohl ganz gut sprechen können.
Ani roza ledaber hivrith...oder so;-)
Demnächst werden wir also dreimal die Woche Unterricht bekommen, später glaube ich nur noch zweimal...und es ist Privatunterricht (immer ne halbe Stunde für jeden), also sehr sehr gut für uns:-)
Was wir noch hatten, war Fahrunterricht. israel tickt da immer ein bisschen anders, was den Verkehr angeht...aber das ging eigentlich ganz gut. Ich würde mich trotzdem nicht freiwillig für irgendeinen Fahrdienst melden:-P

So, das war jetzt irgendwie ganz viel Information...und wenn euer Kopf jetzt dicht ist, dann wisst ihr vllt annähernd, wie dicht mein Kopf noch ist:-) aber mir gehts echt gut hier. Ich fühle mich wohl, muss noch etwas in den neuen Rhythmus kommen, aber das wird...

Mir fällt heute Nacht bestimmt noch mehr ein, aber das verwerte ich dann in meinen nächsten Einträgen:-)

Bis dahin... auf einen schönen Shabbat morgen:-) (wir müssen weniger arbeiten und abends gibt es eine Shabbatfeier im Gemeinschaftssaal- klingt schonmal gut)

lehitraot ve laila tov

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